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Der Hofjäger Jochim Friedrich Neckel

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Jüngster Hofjäger Unterstamm

Jochim Hinrich Neckel

Sein Vater war der Schneidermeister und Küster Hinrich Neckel. Die Taufeintragung lautete:

Wittenförden, Jahrgang 1731,Jochim Hinrich, Meister Hinrich Neckels des Küsters sein Söhnlein ist gebohren den 25.Dezember. Die Paten: Jochim Fräntz ein Knecht,Er selbst und die Weh-Mutter.

In Wittenförden also, einem dicht vor den Toren Schwerins gelegenen Dorf, wuchs Jochim Hinrich zusammen mit seinen drei (oder mehr?) Geschwistern auf: dem 14- Jahre älteren Christopher, der 8 Jahre älteren Magdalene Elisabeth und dem 4 Jahre älteren Georg Christian.

Wir dürfen annehmen, dass Jochim Hinrich neben Katechismus und Rechnen auch das große und kleine ABC bei seinem Vater gelernt hat. Aber nicht nur das - auch Musikunterricht mag er bei ihm, der als Küster sicher die Orgel spielen musste, gehabt haben. Wir wissen nämlich, dass Jochim Hinrich viele Jahre später als einziger der herzoglichen Hofjäger "das Waldhorn zu blasen verstand".

Was Jochim Hinrich bewog, Jäger zu werden, können wir nur vermuten. Wenn wir uns nach Forstmännern umsehen, die ihm die Anregung zu seinem Beruf gegeben haben könnten, so fällt uns zuerst der Förster Sandberg ein, der sowohl wie auch seine Frau Paten von Jochim Hinrichs Geschwistern waren und sicher im Küsterhaus zu Wittenförden verkehrten.

Dann können wir annehmen, dass zwei einflussreiche Personen frühzeitig in seinen Gesichtskreis traten und ihn sicherzu fördern vermochten: der Forstmeister Christ. Wilhelm Tiede und der spätere Oberförster Jacob Grünwald. Frau Catharina Tiede, die Frau des Forstmeisters, und Jacob Grünwald standen in den Jahren 1759 bzw. 174-9 Pate bei den Töchtern seines Vetters (?) , des Brauers und Gastwirts Christian Gottfried Neckel in Schwerin, und noch 20 Jähre später verdankte Jochim Hinrichs eigener Sohn Jacob dem Oberförster Jacob Grünwald seinen Namen.
Wo Jochim Hinrich als Forsteleve die Jagd erlernte, wissen wir leider nicht. Aus einem Schreiben seiner Frau an den Herzog vom 2.1.1780 erfahren wir, dass er "an die 20 Jahre" als Hofjäger in herzoglichen Diensten gestanden hat. Danach ist anzunehmen, dass er bald nach Herzog Friedrichs Regierungsantritt am 50.5.1756 Hofjäger geworden ist. 
Da dieser Herzog seine Residenz nach Ludwigslust verlegte,ist anzunehmen, dass auch die Hofjäger des öfteren in Ludwigslust weilten. Ihr eigentliches Standquartier war jedoch der ältere Jägerhof in Schwerin, der damals am heutigen Jägerweg lag. Dieser befand sich in unmittelbarer Nähe der Rostocker Straße, wo Jochim Hinrichs Bruder Christopher sein Haus hatte und vermutlich auch Christian Gottfried sein Bier braute. 
Im Juli 1764 verheiratete sich der Hofjäger mit Maria Dorothea Stange. Die Hochzeit hatte, wie aus einer Eintragung des Pastors im Schlosskirchenbuch anlässlich der Taufe ihres ältesten Sohnes hervorgeht, ungefähr 5 bis 4 Wochen vor der Geburt des Kindes stattgefunden. Das genaue Datum und der Ort der Trauung ließen sich leider trotz vielen Suchens nicht feststellen. 
Jochim Hinrichs Frau, Maria Dorothea Stange, wurde am 25.4.1758 als Tochter eines angesehenen Schweriner Bürgers, des Gärtners Balthasar Dethloff Stange und der Eleonore Sybille Cath.Possehl geboren. Der Großvater Joachim Stange - verheiratet mit Lucia Fiel - war von 1658 bis 1695 Pastor in Dambeck gewesen. 
Maria Dorotheas Vater, Gärtner Stange, besaß ein großes Gartengelände, das sich von der jetzigen Hermannstraße, an deren Ecke auch sein Haus stand, bis zum Ostorfer See erstreckte. Die Hermannstraße, die damals mit zur Gartenstraße gehörte, sowie ihre Fortsetzung, die heutige Gartenstraße, sollen diesen Stange'schen Gärten ihren Namen verdanken. 
Berücksichtigt man die gut bürgerlichen und wohlgeordneten Verhältnisse der Familie Stange und die strengen Sittengesetze der damaligen Zeit, so muss man sich wundern, dass der Hofjäger sich erst so kurze Zeit vor der Geburt ihres ersten Kindes mit Maria Dorothea trauen ließ.  
Sehr wahrscheinlich kannten sich die Familien Neckel und Stange schon seit Generationen. In Zickhusen, wo Michael Neckel um 1550 seinen Hof bewirtschaftete, hatte ein Jacob Stange zur selben Zeit 4 Hufen inne, während gleichfalls um 1550 in Dambeck, dem nächsten Pfarrdorf, ein Freimann Hans Stange vorkam. Ein "Herr Joann George Neckel" stand im Jahre 1731 bei Maria Dorotheas Bruder Johann Joachim Stange Pate. 
Jochim Hinrich Neckel und Maria Dorothea Stange hatten 5 Kinder:
1. Johann Jochim Heinrich, getauft 5.8.1764 + 12.12.1764
2. Maria Sophie Dorothea, getauft 17.5.1766
3. Jacob Johann Jochim, getauft 28.8.1768
4. Johann Jochim Dethloff, getauft: 3.7.1770
5. Hinrich Christian Ludwig, getauft: 19.8.1774 
Nach dem ersten Meckl. Schwerinschen Staatskalender, der 1776 erschien, betrug die jährliche Gage eines Hofjägers 152 Rthlr. 
In den Kabinettsakten des Meckl. Landeshauptarchivs fand sich nachstehendes Memorandum, das über Jochim Hinrichs Fähigkeiten als Hofjäger Auskunft gibt: 
"Schwerin, den 28. Mai 1778
Untertänigstes Pro Memoria!
Subskripti finden kein Bedenken, das unterthänigste Gesuch des Hof Jägers Neckel um eine Anwartschaft auf den Försterdienst zu Craack zur gnädigsten Deferierung in Ehrfurcht zu empfehlen, da der Supplikant die erforderlichen Forstwissenschaften besitzet, auch ein tüchtiger Jäger ist.
Subsignati berichten dies auf den verehrlichen Befehl vom 19ten hujus
unterthänigst                           treu gehorsamst
A.v.Kamtz                                L.v.Dorne " 
Im Jahr 1779 wurde Jochim Hinrich die Forststelle in Kraak bei Rastow übergeben. Aber leider sollte er hier den grünen Rock nur noch kurze Zeit tragen. Er starb bereits am 14.11.1779, erst 48 Jahre alt.
Leider wissen wir nicht die Ursache seines so frühen Todes. Wie aus dem Schreiben vom 2.1.1780 hervorgeht, dass seine Frau an den Herzog richtete, scheint er längere Zeit krank gewesen zu sein. Eine Aktennotiz sagt: "Subskripti verfehlen schuldigst nicht, submissest anzuzeigen, dass der Förster Neckel zu Craack schleunigs gestorben". Schwerin, den 15.Nov.l779. 
Jochim Hinrich wurde am 18.11.1779 in der Kirche zu Kraak beigesetzt. Im Kirchenbuch heißt es: "Begraben: Kr. Kirche, oben dem Balken". Gemeint ist anscheinend ein Querbalken, auf dem ein Kruzifix steht, an welcher Stelle auch sonst schon Beisetzungen stattgefunden hatten. 
Maria Dorothea, die bereits nach 15-jähriger Ehe Witwe geworden war, kehrte nach dem Tode ihres Mannes mit ihren 4 noch minderjährigen Kindern - 15, 11, 9 und 5 Jahre alt - nach Schwerin zurück.
Am 2.1.1780 bat sie den Herzog um ein Gnadengehalt und etliche Faden Brennholz. Am 28.2. wurden ihr bewilligt: "ein paar Droemt Roggen (1 Droemt hatte 12 Scheffel), einige Faden Brennholz und den Kindern freie Schule". 
Nur 9 Jahre überlebte Maria Dorothea Neckel ihren Mann. Sie starb in Schwerin am 14.8.1788, 50 Jahre alt.
Aktualisiert ( Samstag, den 04. April 2009 um 06:37 Uhr )