Älterer (Testorfer) Ast
Jacob Neckel
Jacob Neckel wurde am 28.8.1768 in der Schlosskirche zu Schwerin getauft. Seine Eltern waren der Hof Jäger Jochim Hinrich Neckel und Maria Dorothea Stange.
Wir dürfen wohl annehmen, dass Jacobs Eltern im alten Jägerhof wohnten, der damals vorm Siechenbaum beim Berliner Tor - an der Ecke des heutigen Jägerwegs - lag.
Jacob und seine Geschwister hatten also das Glück, die Jahre ihrer Kindheit angesichts des munteren Getriebes der Jäger in der reizvollsten Gegend Schwerins, nämlich am Rande des Schlossgartens, verleiben zu können. Es kann uns somit nicht wundern, wenn wir erfahren, dass ihm genau so wie seinem Bruder Friedrich die Lust zur Jägerei von Kindheit an eigen war.
Jacob war 9 Jahre alt, als sein Vater als herzoglicher Förster nach Kraak versetzt wurde und die Familie in dieses nahe Rastow im Kreise Hagenow gelegene Dorf übersiedelte. Doch nur kurze Zeit dauerte der Aufenthalt in Kraak. Bereits nach 2 Jahren treffen wir Jacob mit seiner Mutter und seinen Geschwistern wieder in Schwerin an. Der plötzliche Tod seines Vaters am 14.11.1779 war der traurige Anlass zur Rückkehr in die Heimatstadt.
Hier besuchte Jacob, nachdem Herzog Friedrich den Kindern seines langjährigen Bediensteten "freie Schule" gewährt hatte, von seinem 12, Lebensjahr ab wahrscheinlich die Domschule.
Um die Mitte düs Jahres 1785 - Jacob war grade 17 Jahre alt geworden - trat er bei dem Förster Wedemeyer zu Sandhof in die Lehre. Am 17.9.1785 schrieb er an den Herzog, dass er vom Förster Wedemeyer "ohnlängst in die Lehre aufgenommen und gezwungen sei, sich frey zu lernen wegen Mangels an Vermögen".
Bereits zwei Jahre später - Ende 1787 - hatte Jacob seine Lehrzeit beendet und diente in den beiden folgenden Jahren "bei verschiedenen Herren als Jäger". Zu Beginn des Jahres 1790 schließlich trat er bei Oberjäger Tiede in Stellung.
Im Winter dieses Jahres hatte Jacob an den alljährlich in der Lewitz stattfindenden Treibjagden teilgenommen. Bei dieser Gelegenheit lernte er die in Banzkow wohnende Hauswirtstochter Margarethe Elisabeth Passow kennen. Sie wurde die Mutter seines Sohnes Johann Jochim Christopher Neckel, der am 7.8.1791 in Banzkow geboren wurde.
Nachdem Jacob 5 Jahre lang Jäger gewesen war, bemühte er sich um eine Anstellung im herzoglichen Forstdienst und bat in seinem Schreiben vom 10.1.1791 den Herzog um die Bestätigung, dass er "bey einer vacant werdenden Stelle in Höchst Dero Dienst genommen werden würde". Jedoch schon im darauffolgenden Jahr sollte durch die Heirat seines Bruders Friedrich auch für Jacob ein Wendepunkt in seinem Leben eintreten.
Um seinen weiteren Lebensweg richtig verstehen zu können, wird es jetzt notwendig, dass wir uns kurz mit der Person seines Bruders befassen.
Friedrich war 1787 bei einem Förster in die Lehre getreten, da er, wie sein Bruder, Forstmann werden wollte.
Am 5.6.1792 - er stand kurz vor der Vollendung seines 22. Lebensjahres - verheiratete er sich mit der 15-jährigen Juliana Maria Christiana Darmann.
Am 15.4. und 2.5.1795, kurz vor der Geburt des ersten Kindes, bat Friedrich den Herzog, ihm das Porsthaus in Griffel als Wohnhaus zu sichern, nachdem ihm die Anwartschaft auf diese Forst bereits erteilt worden war.
Obwohl er 14 Tage später anlässlich der Geburtseintragung seines Sohnes im Kirchenbuch von Warin bereits als Eigentümer von Vogelsang bezeichnet wurde, zu dessen Erwerb ihn sicher das mit in die Ehe gebrachte Vermögen seiner jungen Frau in die Lage gesetzt hafte, schien Friedrich zu dieser Zeit noch nicht die Absicht gehabt zu haben, seinen erlernten Jägerberuf aufzugeben, um Landmann zu werden.
Aber am 25.7.1795 trat er doch mit der Bitte an den Herzog heran, die Anwartschaft auf Griffel auf seinen Bruder Jacob übertragen zu wollen, zumal dieser "nach Angabe des Oberjägermeisters von der Lühe ein besserer Forstmann zu werden verspräche als er".
So erhielt Jacob, nachdem der Herzog das Gesuch genehmigt hatte, die Anwartschaft auf den Forstdienst in Griffel, während Friedrich den Forstberuf aufgab.
Anfang 1796 verkaufte er Vogelsang und pachtete Hof Zierzow vom 19.7.1796 ab. Am 26.9.1798 richtete er ein Schreiben an den Herzog, in dem es heißt: "Wenn ich am heutigen Tage meinem Bruder Johann Jacob Neckel, welcher schon seit 6 Jahren die Wirtschaft bei mir betrieben, zu seinem ferneren Fortkommen die Pachtung des Hofes Zierzow Kreis Grabow abgetreten habe...".
Aus diesem Schreiben erfahren wir also, dass auch Jacob schon seit einer Reihe von Jähren seinem Beruf nicht mehr nachgegangen war, sondern seit ungefähr 1795 bei seinem Bruder Friedrich lebte, um diesem bei der Bewirtschaftung seiner Güter - erst Vogelsang und dann Hof Zierzow - zur Seite zu stehen. Und schließlich vernehmen wir, dass Jacob am 26.9.1798 selber Pächter von Hof Zierzow wurde, während Friedrich das benachbarte Kolbow übernahm.
Wir stehen hier vor der erstaunlichen Tatsache, dass es den beiden Brüdern, die immerhin als Halbwaisen in bescheidenen Verhältnissen auf gewachsen waren, plötzlich möglich wurde, herzogliche Domänen zu pachten. Wenn es auch bei Friedrich sowohl wie bei Jacob zweifellos das mit in die Ehe gebrachte Geld ihrer Frauen war, das sie anfangs hierzu in Stand setzte, so bewiesen sie im Laufe der Jahre doch, dass sie ihren übernommenen Pflichten gerecht werden und ihren neuen Wirkungskreis ausfüllen konnten.
Seltsam mutet es uns nur an, dass niemals mehr von den beiden Geschwistern der Brüder die Rede ist. Auch in den Schweriner Kirchenbüchern erscheinen sie nicht wieder. Die Mutter, Maria Domthea geb. Stange, war bereits am 14.8.1788 gestorben.
Im November 1798 - zwei Monate nach Übernahme von Hof Zierzow also - verheiratete sich Jacob, der jetzt 50 Jahre alt war, mit der 18-jährigen Maria Elisabeth Sellschopp, die am 22.10.1780 als Tochter des Gutspächters Gottfried "Jacob" Sellschopp in Rabensteinfeld geboren war.
Wie Maria Darmann war auch Maria Elisabeth Sellschopp zur Zeit ihrer Verehelichung schon Halbwaise; ihr Vater war am 9.7. 1797 in Consrade gestorben. Über die Abfindung der Sellschoppschen Erben seitens der in den Pachtvertrag über Consrade eingetretenen "Madame Schröder" liegt ein Vergleich vor, wonach an die Erben außer einer Abfindungssumme noch jährlich bis Johannis 1824 Zahlungen zu leisten waren (Vergleich v.7.5.1814).
Gemäß seinem Schreiben an den Herzog vom 10.4.1812 hatte Jacob den Pachtvorschuss für Hof Zierzow in Höhe von 4000 Talern im Jahre 1798 aus dem eingebrachten Vermögen seiner Frau bezahlt.
Am 50.5.1799 - 5 Monate vor der Geburt ihres ersten Kindes - setzten sich beide Ehegatten in einem wechselseitigen Testament gegenseitig als Erben ein. Seit dem 26.9.1798 war der Pensionär Jacob Neckel - so nannte er sich jetzt - nun Pächter des 266,5 ha großen Gutes Hof Zierzow bei Grabow.
In den nächsten 15 Jahren kamen in Hof Zierzow 8 Kinder zur Welt, darunter auch am 18.1.1801 Wilhelm Heinrich Friedrich Ludwig. Das 9. wurde in Testorf geboren.
Während der sog. Franzosenzeit war Jacob nicht untätig. Er bewaffnete seine Knechte und unternahm mit Gleichgesinnten Streifzüge in die nähere Umgebung. Er soll sogar eine Kriegskasse erbeutet haben. Zwei gewaltige Reiterpistolen, die sich noch bis 1945 im Besitz eines Familienangehörigen waren, sollen noch Erinnerungsstücke an diese Begebenheiten gewesen sein.
Am 2.7.1804 war in Zierow Jacobs älteste Tochter Wilhelmine gestorben. Gegen Ende des Jahres 1811 verließ Jacob Hof Zierow, das er 13 Jahre bewirtschaftet hatte, um seine neue Pachtung in Testorf anzutreten.
Seit Anfang 1812 war Jacob Pächter der Güter Testorf und Steinfort.
Leider stand über Jacobs Einzug in Testorf kein glücklicher Stern. Am 5.2.18312 verlor er seinen jüngsten Sohn Adolf im Alter von 9 Monaten; und überdies brach wenige Wochen später, am 14.5., in Testorf ein Brand aus, dem wertvolles Inventar zum Opfer fiel.
Die jährliche Pacht für Testorbetrug f 4700 Taler. Das Gut war 452 ha und der dazugepachtete Teil von Steinfort 89,9 ha groß, so dass Jacob insgesamt 522,8 ha zu bewirtschaften hatte.
Im Familienarchiv befinden sich an Originalurkunden drei Schreiben des Erbprinzen Friedrich Ludwig (geb. 1778, + 1819) an den Pensionär Jacob Neckel vom 31.3.1812, 11.4.1812 und 20.7.1812 sowie der Entwurf eines Schreibens, das Jacob am 10.4.1812 an den Erbprinzen richtete.
Diesen Schriftstücken können wir Folgendes entnehmen:
Mit seinem Schreiben vom 25.3.1812 tritt Jacob mit der Bitte an den Erbprinzen heran, ihm in Anbetracht des erlittenen Brandschadens in Testorf von der jährlichen Pacht in Höhe von 4700 Talern für die Dauer von 15 Jahren je 700 Taler jährlich zu erlassen.
In dem sehr ungnädigen Antwortschreiben des Erbprinzen heißt es, dass diese unangemessene Bitte sein Missfallen in einem hohen Grade erregt hätte, da die Testorfer Pachtsumme keineswegs zu hoch sei. Es folgt der Hinweis, dass die von seinem Bruder Friedrich für Plüschow geforderte Pacht von 5200 Talern allein darum niedriger als vorgesehen festgesetzt worden sei, weil sein Bruder Friedrich für die zu hoch angesetzt gewesene Testorfer Pacht entschädigt werden sollte, und es heißt weiter, dass Friedrich die zunächst für Plüschow verlangte Pacht gerade darum nicht hätte zahlen wollen, weil er, wie er angegeben hätte, für ihn - Jacob - einen Teil der Testorfer Pacht übernehmen müsse. Wenn er wirklich meine, dass er eine zu hohe Pacht zu bezahlen habe, so solle er sich nur an seinen Bruder Friedrich als dem Cedenten des Testorfer Pachtkontrakts halten.
Trotz dieses abweisenden Bescheids erklärt sich der Erbprinz zu einem gewissen Entgegenkommen bereit. Er will die Trinitatis 1812 zu zahlende Pacht von 2350 Talern zur Hälfte erlassen und die andere Hälfte gegen genügende Sicherheit bis Antoni und Trinitatis 1813 stunden.
Jacobs Stellungnahme zu diesem Bescheid entnehmen wir dem noch vorhandenen Entwurf zu seinem Schreiben vom 10.4.1812, in dem er abermals darlegt, dass die für die Güter Testorf und Steinfort geforderte Pacht von 4700 Talern zu hoch sei, und dass er sie daher nach eingehender Kalkulation nicht zahlen könne. Auch gäbe es keine Möglichkeit, sich an seinen Bruder wegen einer Entschädigung zu wenden, da hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlten.
Um den Erbprinzen nicht zu schädigen, erklärt Jacob sich sogar bereit, von dem Pachtkontrakt zurückzutreten, falls sich ein Pächter fände, der die geforderte Summe zahlen könne.
Aber der Erbprinz erklärt ihm unter dem 11.4.1812, dass eine "Abänderung, Abkürzung oder gänzliche Aufhebung" des abgeschlossenen Pachtkontrakts nicht in Frage käme. Wegen des erlittenen Brandschadens wolle er aber von der Trinitatis fälligen Halbjahrspacht von 2350 Talern 1350 Taler erlassen und den Rest von 1000 Talern bis Antoni 1813 stunden, allerdings nur gegen ausreichende Sicherheit.
In seinem Schreiben vom 10.4.1812 hatte Jacob bereits die Bemerkung gemacht, dass seine "Ehegattin, mit deren Vermögen er seine Pachtung angetreten und seinen Vorschuss berichtigt habe, submissest erbötigt sei, sich mit ihren Rechten den herzoglichen Ansprüchen zu postponieren".
Zu welchem letzten Entscheid es in dieser Angelegenheit schließlich gekommen ist, konnte leider nicht festgestellt werden. Es liegt lediglich noch ein Schreiben des Erbprinzen vom 20.7.1812 vor, in dem Jacob noch einmal aufgefordert wird, sich mit dem ihm am 11.4.1812 gemachten Angebot einverstanden zu erklären. Anzunehmen ist, dass Jacob schließlich doch der Forderung des Erbprinzen entsprochen hat, da er Testorf ja bis zu seinem Tode in Pacht behalten hat.
Nachdem Jacob 18 Jahre lang Testorf bewirtschaftet hatte, schied er am 9.9.1831, 63 Jahre alt, aus dem Leben. Als Todesursache gibt das Kirchenbuch "zurückgetretene Hämorrhoiden" an. Am 13.9.1831, 4 Tage nach seinem Tode, fand die Beisetzung auf dem Kirchhof in Friedrichshagen statt. Laut Kabinetts-Dispenz vom 10.9.1831 wurde Jacob still beerdigt. Seine Grabstelle war noch bis 1941 erhalten.
Jacobs Gattin überlebte ihren Mann um drei Jahrzehnte. Sie starb am 8.5.1861 bei ihrem Sohn Wilhelm in Sparow im 81. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof in Alt Schwerin im Neckel'schen Erbbegräbnis beigesetzt.



Der Pächter Jacob Neckel

